Weiterwurschteln in Köln

„Katastrophe in Köln“ lautete unser letzter Zwischenruf an dieser Stelle. Was aber macht man in Köln im Angesicht einer Katastrophe? Genau: Man nimmt sie zum Anlass, die nächste Katastrophe vom Zaun zu brechen. Nach der skandalös spät festgestellten Verschleppung bei der Sanierung der Kölner Bühnen ist die für November geplante Neueröffnung des Stammhauses geplatzt. Und während das Schauspiel wenigstens die bisherige Ersatzspielstätte weiter nutzen kann, steht die Kölner Oper ohne Bühne da. Was aber macht die Kölner Politik? Sie streitet über die Eignung der möglichen Ersatzspielstätten, als gäbe es kein Morgen und keinen Spielplan für die im November startende Saison. Gerade hat der Stadtrat die Entscheidung erneut vertagt.

Insbesondere CDU und FDP torpedieren den Vorschlag der Stadtverwaltung und der Opernleute, das in Innenstadtnähe auf der anderen Rheinseite gelegene Staatenhaus zur Ausweichspielstätte zu machen. Sie favorisieren stattdessen die MMC Studios am Stadtrand in Ossendorf, die sie für geeigneter und in der Herrichtung für preisgünstiger halten. Die Opernleute dagegen fürchten, dass ihnen da draußen das Publikum nicht mehr folgt und verweisen auf die bessere Lage und das prominentere Ambiente des Staatenhauses.

Zugegeben: Es ist ein bisschen wohlfeil, jetzt auf die Kölner Politik, insbesondere auf die CDU und die FDP, einzudreschen. Nach der Sanierungsverzögerung, die aus Sicht der Politik die gleiche „Verwaltung“ zu verantworten hat, die jetzt das Staatenhaus favorisiert, ist das Vertrauensverhältnis offenbar gründlich zerrüttet. Und für welchen Ort wirklich die besseren Gründe sprechen, ist für Außenstehende kaum zu beurteilen. Aber so ganz abwegig kann die Idee mit dem Staatenhaus nicht sein, denn dort hat die Kölner Oper bereits Stockhausens „Sonntag aus Licht“ aufgeführt, ein Riesenwerk des neuen Musiktheaters, und das mit großem Erfolg. Wenn es dagegen in den MMC-Studios wirklich zum Zuschauerschwund kommt, wird man in Köln schnell einen Schuldigen bei der Hand haben: Die Oper.

Die Sanierungsverzögerung und deren miserables Krisenmanagement gehen letztlich auf das Konto derer, die die Rahmenbedingung für das Bauvorhaben geschaffen haben. Und das war keineswegs „die Verwaltung“ allein, sondern zumindest auch die Politik. Die Opernleute sind die Opfer dieser Katastrophe. Die Kölner Politik sollte diese Opfer nicht gleich wieder in die nächste Katastrophe schicken, sondern endlich eine schnelle Lösung suchen. Dabei sollte das Staatenhaus, wenn irgend möglich, Priorität haben. Denn nach dieser ganzen Hängepartie sollte es für die Kölner Opernkünstler so etwas wie einen Anspruch auf Wiedergutmachung geben. Sie müssen die Suppe auslöffeln, die ihnen andere eingebrockt haben. Es ist ein Gebot des Respekts vor ihrer Arbeit, sie ihnen nicht noch zusätzlich zu versalzen.

Detlef Brandenburg