Markus Hinterhäuser wird ab 1. Oktober 2016 neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler wurde um drei Jahre verlängert.

Markus Hinterhäuser wird ab 1. Oktober 2016 neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler wurde um drei Jahre verlängert.

Zwischenruf

Plötzlich haben sie Mut an der Salzach!

von Detlef Brandenburg

Markus Hinterhäuser soll ab 1. Oktober 2016 neuer Intendant der Festspiele werden, Präsidentin Helga Rabl-Stabler wurde um drei Jahre verlängert.

Ein Kommentar

Das ist endlich einmal eine mutige Entscheidung. Nachdem bereits wieder etliche verdiente ältere Herren und kulturadministrative Großmächtige als Nachfolger für Alexander Pereira, den scheidenden Intendanten der Salzburger Festspiele, im Gespräch waren, hat sich das Kuratorium jetzt für einen – nein: natürlich nicht für einen Jungen entschieden. Das wäre nun doch allzu tollkühn gewesen bei so einem Festspiel-Dinosaurier. Aber man hat immerhin einen jugendlich neugierigen Künstler auserkoren: den 1959 in La Spezia in Italien geborenen Markus Hinterhäuser. Eine total Überraschung ist das nicht, aber angesichts der erwähnten Gerüchte doch eine überraschend gute Nachricht. Hinterhäuser kennt nun wirklich jeder, der in den letzten Jahren auch nur ein wenig mit Salzburg zu tun hatte. Dort hat er das Zeitfluss-Festival mitbegründet und von 1993 bis 2001 geleitet; später, unter Jürgen Flimm von 2007 bis 2011, heimste er als Konzertdirektor der Festspiele mit mutigen, phantasievollen und hochintelligenten Programmen Lob ein; und nachdem er bei der letzten Intendantenkür gegen Pereira unterlegen war, hatte Hinterhäuser die Festspiele nach Jürgen Flimms Abgang einen Sommer lang interimistisch geleitet.

Hinterhäuser hat sich in Salzburg vor allem als phantasievoller, engagierter Anwalt der zeitgenössischen Musik profiliert. Schon deshalb darf man hoffen, dass Salzburg endlich wieder zeitgenössischer, geistesgegenwärtiger in des Wortes direkter Bedeutung wird. Allerdings fällt die Entscheidung über Erfolg und Scheitern einer Festspielintendanz auf einem anderen Gebiet. Hinterhäuser muss jetzt beweisen, dass er für das Opernprogramm der Festspiele die richtigen Konzepte im Kopf und die richtigen Namen im Adressbuch hat. Hier war Salzburg gerade dabei, in schönster Opulenz in die Profillosigkeit zu trudeln. Hinterhäuser will sich nun wieder verstärkt um Mozart kümmern, ausdrücklich mit dem Mut, neue Wege zu beschreiten – welche auch immer das sein werden. Und er strebt eine stärkere inhaltliche und dramaturgische Vernetzung des Schauspielsektors an – was immer das auch bedeuten mag.

Das klingt alles noch ein bisschen vage. Und es darf vorerst auch noch so klingen. Noch hat er Zeit. Und was er kann, hat man ja schon gesehen. Aber noch ein Weiteres macht Hoffnung: Hinterhäuser ist ein unermüdlicher Kommunikator. Er ist in Salzburg und um Salzburg herum bestens vernetzt. Ihm ist zuzutrauen, dass er die ewigen Grabenkämpfe zwischen Kuratorium und Intendanz, die die Festspiele in den letzten Jahren immer wieder gelähmt haben, endlich überwindet. Das wird dringend nötig sein, denn Salzburg operiert an der Grenze seiner finanziellen Ressourcen – das ist immer ein guter Humus für Streitereien. Hinterhäuser hat bereits erklärt, dass in Salzburg das Limit der Machbarkeit nach innen und außen erreicht sei. Basis für künftige Entscheidungen solle „eine profunde Analyse über die Ausweitung der Festspiele in den vergangen beiden Jahren“ sein. Das ist eine Botschaft, die das Kuratorium mit Sicherheit wohlwollend zur Kenntnis genommen hat. Was sie für Salzburgs Zukunft bedeutet, bleibt abzuwarten.